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Rueckenkoecher

Details

Hallo Leute,
nachdem ich meinen Erstversuch eines derartigen Köchers bereits in den Präsentationen vorgestellt habe, hier eine etwas ausführlichere Darstellung der Herstellungsweise.

Grundsätzlich orientieren sich beide Köcher an dem Design der sogenannten Hill-Style-Köcher, wie sie durch Howard Hill bekannt wurden.
Der Erstversuch bestand aus sehr dünnem Leder das halt gerade zur Hand war, der neue besteht aus deutlich dickerem und festerem Leder.
Der Grund für die neue Version ist ganz einfach der, das mir der Erstversuch von der Farbe (dunkelrot) und der Oberfläche nicht wirklich gefällt und ich eine etwas "mittelaltermarkttauglichere" Variante zu meinem Engländer haben wollte.

Wohlan wir brauchen an Material:

  1. Leder, Größe ca. 45cm x 61cm, in meinem Fall mit einer Stärke von ca. 3,5mm
  2. Lederschnüre, 2-3 Stück mit 2m Länge und ca. 2,5x2,5mm Querschnitt

 

Werkzeug:

  1. Cuttermesser oder noch besser einen Rollschneider
  2. Eine Lochzange oder ein passendes Locheisen
  3. Eine Flachzange
  4. Flechtnadeln für Flechtriemen aus Leder

 

Nachdem das rechteckige Leder auf ca. 45cm x 61cm zugeschnitten wurde, geht es erst einmal ans Lochen. Halb so wild, in meinem Fall waren das nur 148 Löcher ...
Das ganze sah dann so aus:

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Ein paar Erläuterungen zu den Löchern:

Links und rechts sind je zwei Reihen mit Löchern. Hiermit wird später der Köcher "zusammengenäht", die Abstände sollten also möglichst exakt zueinander passen.
Der senkrechte Abstand beträgt bei mir zwischen den ersten beiden Reihen 3cm, danach 2,5cm. Die ersten beiden Reihen werden später umgeschlagen und bilden den oberen Rand des Köchers. Auf Wunsch kann man hier auch mehr als 3cm nehmen.
Die letzte Reihe sollte vor allem recht eng am unteren Rand sein (bei mir ca 7,5mm Lochmittelpunkt vom unteren Rand), da hier später der Boden eingebunden wird.

Am oberen Rand sind auf Höhe der ersten beiden Reihen zwei wagerechte Reihen mit Löchern auf der ganzen Breite durchgehend im 2,5cm Abstand. Hiermit wird später der umgeschlagene Teil am oberen Rand festgemacht.
Diese Löcher sollten jeweils alle auf einer Höhe sein.

Am unteren Rand dasselbe, mit nur einer Reihe. Hier wird später der Boden eingebunden.

Ach ja: Jeweils in der Mitte der wagerechten Reihen, ist der Abstand zwischen den Löchern durch die Breite und den Lochabstand entstanden und deutlich kleiner als 2,5cm. Entweder damit leben oder die Abstände so ausrechnen, das das ganze glatt aufgeht.

Was nicht passieren sollte, ist ein einzelnes Loch, genau in der Mitte einer waagerechten Reihe! Dann passt das hinterher beim Knoten nicht!!!

 

 

 

 

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Danach das Lederstück provisorisch zu einer Rolle zusammenbinden und den Umfang des Bodens ausmessen.

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Danach den Boden zuschneiden und einpassen.

Das Material für den Boden sollte auf jeden Fall relativ stabil sein, immerhin stehen da die Pfeilspitzen drauf. Wer mag, kann auch eine doppelte Lage Leder verwenden.

Sollte der Boden doch einmal aufgeben, kann man ihn aber auch austauschen, ohne alles andere wieder zerlegen zu müssen!

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Der nächste Schritt ist das übertragen der Löcher von der Röhre auf den Boden.

Ich habe mir dafür an den Stellen wo die Löcher sind kleine Striche auf den Boden gemacht.

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Das nennt man wohl Messschiebermissbrauch...

Aber so ist es einfach, die Löcher im Boden alle in einen gleichmäßigen Abstand zur Kante zu bekommen. Einfach vorsichtig in das Leder pieksen und man hat eine Markierung für die anschliessende Locherei.

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Fertig gelocht.

Damit ist die gesamte Lochzahl auf 166 gestiegen.

Oben rechts, wo die 2 Löcher dicht nebeneinander stehen sitzt später die Längsnaht des Köchers, man hat den Boden also immer in derselben Position.

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Und so beginnt es ...

Einfädeln des Lederriemens um den Boden einzubinden.

Der Knoten soll nur verhindern, das der Riemen aus Versehen durchgezogen wird und muss später wieder raus, also nicht zu stramm anziehen!

Im Hintergrund sind die Bindedrähte zu sehen die als temporäre Formgebungshilfe den Köcher zusammenhalten.

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So sitzen später die oben erwähnten eng aneinander stehenden Löcher an der Längsnaht des Köchers.

Wenn man sich hier nicht vertut, sollte der Rest passen.

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Es soll ja Leute geben, die so etwas mögen, aber ich nicht!

Als bitte die Lederriemen nicht so verdrehen, sondern schön gerade und flach einziehen.

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So sieht das doch besser aus oder?

Ich bin einmal rum und habe den Anfangs gemachten Knoten wieder geöffnet.

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Jetzt kommt die Flachzange zum Einsatz:
Einmal strammziehen bitte, aber in umgekehrter Richtung wie vorher eingefädelt wurde.

Ich habe bei mir darauf geachtet, das der Boden mehr oder weniger rechtwinklig in der Röhre bleibt. Man kann das aber auch so stramm ziehen, das sich die Schnittkanten nebeneinander legen- Geschmackssache.

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Hier sieht man um wie viel länger das Ende in dem zu Anfang der Knoten war beim strammziehen geworden ist.

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Knoten drauf: Fertig!
(Zumindest mit dem Boden)

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Für die Längsnaht habe ich einen 2m langen Lederriemen so von innen durch die ersten beiden Löcher über dem Boden gezogen, das beide Enden gleich lang sind.

Damit geht es jetzt immer über Kreuz weiter, bis wir zu den Löchern für den Umschlag am oberen Rand kommen.

Ich habe den Riemen sowohl außen, als auch innen, überkreuzt.

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Wer es gleichmäßig mag, sollte darauf achten, das immer derselbe Riemen als erster eingefädelt wird.
Bei mir war das immer der obere (der an der sichtbaren Kante) in das nächste Loch unten. Dadurch werden die Kreuze schön gleichmäßig.

Und auch hier gilt: Den Riemen nicht verdrehen!

Auf diesem Bild sieht man auch die Flechtnadel. Damit lässt sich der Riemen recht einfach durch die Löcher ziehen. Ohne ist es eine ziemliche Fummelei die Riemen überhaut durch die Löcher zu bekommen!

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So, die Längsnaht ist fertig, jetzt kommt der Umschlag an die Reihe.

Wir fangen gegenüber der Längsnaht wie auf dem Bild zu sehen an und arbeiten uns dann nach beiden Seiten bis zur Längsnaht vor.

Dafür wird der Rand doppelt genommen (nach außen umgeschlagen) und dann von außen durch beide Lagen Leder gefädelt.

Erst von außen nach innen, dann von innen nach außen, dann wieder von außen nach innen usw.

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Da wo sich die Längsnaht befindet wird es dann etwas komplizierter, weil dort die eine Seite IN dem Umschlag der anderen Seite landet und man auch noch durch 4 statt 2 Lagen Leder muss.

Am besten erstmal alles einfädeln ohne stramm zu ziehen und dann langsam nacheinander stramm ziehen.

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So sollte das hinterher aussehen!

Zuletzt gehen die beiden Enden des Umschlags nach innen (sofern man diesselbe Anzahl Löcher hat wie ich).

Falls das nicht passt, entweder alles wieder raus und nochmal anfangen, dann aber statt von außen nach innen, von innen nach außen. Oder damit leben und sich selber eine Befestigung für den Schultergurt ausdenken.

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Hier einmal eine Übersicht:

Im Hintergrund mein ursprüngliches Lederstück (Croupon mit ca. 0,99m2), In der Mitte der Köcher, rechts aus dem abgeschnittenen Stück wurde der Boden gemacht.

Aus dem längeren Teil links am ursprünglichen Lederstück werde ich noch den Riemen schneiden.

 

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Riemen schneiden sollte ja nicht das Problem sein oder?

Einfach einen geraden Streifen schneiden und gut ist.

Hier ist zu sehen, wie ich diesen oben am Köcher befestigt habe.

Zum einen mit den herausstehenden Enden der Umschlagsnaht und der Längsnaht, zum anderen habe ich ihn auch noch mit in die Umschlagsnaht eingearbeitet (oben rechts).

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Das ganze aus der Innenansicht.

Mit den langen Enden der Umschlagsnaht kann man bei Bedarf den Köcher noch unterteilen.

Einfach auf der gegenüberliegenden Seite irgendwo in der Umschlagsnaht durchziehen und ggfs. festknoten.

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Die untere Gurtbefestigung.

Ich habe das so gemacht, weil sich damit die Gurtlänge sehr gut einstellen lässt.

Dafür benötigt man 8 Löcher im Gurt (damit wäre wir bei 174 Löchern).

Einmal von der Gurtunterseite ...

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... und einmal von der Gurtoberseite.

Angefangen habe ich bei Löchern wo der Riemen quer zum Gurt verläuft. Den Riemen so einfädeln, das beide Enden auf dr Unterseite gleich lang sind.

Dann unter dem Gurt Richtung Gurtende, durch die Löcher auf die Gurtoberseite und dann durch die Längsnaht.

Auf dem Rückweg durch die beiden Schlaufen auf der Gurtunterseite, dann durch die beiden Löcher unterhalb des querlaufenden Riementeils auf die Gurtoberseite und danach über Kreuz durch die beiden letzten noch freien Löcher wieder auf die Gurtunterseite.

Die Enden ruhig etwas länger lassen und wie auf dem vorhergehende Bild irgendwo mit einfädeln.

Die Längeneinstellung geht übrigens am besten, bevor man die Enden überkreuzt. Also bis dahin vorbereiten, die Länge justieren und dann mit dem überkreuzen weitermachen.

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Und so sieht das Ergebnis aus.

Auf diesem Bild stecken 26(!) 11/32 Holzpfeile im Köcher und es ist noch nicht wirklich eng.

Passt also sogar für englische Langbogenschützen die ein Sheaf Pfeile (24 Stück wenn ich mich nicht irre) am Mann tragen wollen.

Aufgrund des reltaiv dicken Leders bleibt der sogar stehen.

Aber: Er ist trotzdem weich genug, das nicht alle Pfeile rauspurzel, wenn man sich damit einmal bücken muss.

 


So das war es an dieser Stelle. Eventuell reiche ich noch Bilder nach, sofern ich jemanden finde der mich fotografiert, wenn ich das Teil auf dem Rücken habe.

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Da mein Arbeitskollege so freundlich war, gibt es schon einmal ein Bild mit der Rückansicht.

Hill-Köcher typisch muss man ab und an mit der Bogenhand nachhelfen, aber wenn man das einmal raus hat, geht das ziehen der Pfeile wunderbar einfach und schnell.

Wieder reinstecken ist ebenfalls kein Problem und wenn man sich bückt, bleiben die Pfeile sogar im Köcher.

Auf dem Bild sind es übrigens 24 Pfeile die im Köcher stecken.


 

Das ist natürlich alles keine 100% feste Vorgabe, sondern soll zum experimentieren anregen!

Gruß
vdf


 

 


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